Bauen mit Stroh

Auf den ersten Blick traut man Stroh als Baustoff wenig zu, doch immer mehr realisierte Beispiele zeigen, dass sich mit Stroh ökologische und gesunde Gebäude erstellen lassen. Stroh ist ein nachwachsender Rohstoff, der regional verfügbar ist und mit geringem Energieaufwand hergestellt werden kann. Mit Stroh lassen sich hochwärmegedämmte und diffusionsoffene Wände realisieren, die frei von Schadstoffen sind. Ein Strohhaus ist ein Haus, in dem man sich wohlfühlt.

Strohballenkonstruktionen

Lasttragender Strohballenbau

Baustrohballen werden im Verband aufeinander gesetzt und mit Stangen versteift. Die natürliche Setzung wird mit Gurten und Seilen vorweggenommen. Vorteile: homogener Wandaufbau und wärmebrückenfreie Dämmung. Wände können direkt verputzt werden.

Holzständerwand mit Strohballen («infill»)

Strohballen werden als Dämmung zwischen tragende Holzständer geschichtet.
Vorteile: das Bauen ist witterungsunabhängiger und schnell mit vorgefertigten Elementen möglich. Installationsebene und Fassadenbefestigung möglich. Statischer Nachweis problemlos.

Standardisierte Strohbauelemente

Neu auf dem Schweizer Markt sind vorgefertigte strohgefüllte Wandelemente.
Diese können als Weiterentwicklung des Strohballen-Holzrahmenbaus betrachtet werden. Stroh von Rundballen wird im Werk in Holzrahmen gepresst und als fertiges Bauteil auf die Baustelle geliefert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Masshaltigkeit, geringer Planungsaufwand, kalkulierbare Kosten und kurze Bauzeit für eine baubiologisch hervorragende Aussenwandkonstruktion.
Wir haben solche Elemente, hergestellt von EcoCocon, bei einem Anbau eingesetzt.

siehe Projekt Kilchberg

Die Projektleiterin Petra Eggenberger hat ihre Erfahrungen und Recherchen während der Ausführungsplanung in Ihrer Abschlussarbeit zur Baubiologin mit eidg. FA ausgewertet. Die gesamte Arbeit ist einsehbar auf Bestellung bei der Bildungsstelle Baubiologie oder direkt bei eggenberger@arba-bioplan.ch.

pdf Auszug – «Bauen mit Stroh – EcoCocon ein standardisierten Strohbauelement im Vergleich»

Rückblickend, nach der Ausführung des Projekt Kilchbergs, schätzen wir das Potential für das System EcoCocon nach wie vor gross ein. Das Pilotprojekt zeigte aber auch Faktoren am System auf, die vom Hersteller noch weiterentwickelt werden sollten.

  • Die Produktion findet im Moment in Litauen statt, eine näher gelegene Produktion wäre besser und ist in Planung (im französischen Jura).
  • Die Ursachen für das Auftreten von kleinen Fliegen (sog. Staubläusen, kommt auch bei konventionellen Bauten vor, siehe pdf «Schädlingsbekämpfung - Staubläuse») während des Lehmputzauftrags im Innenraum sollte näher untersucht werden. Deren Auftreten sollte mit biologischen Massnahmen verhindert werden können. EcoCocon arbeitet an einer Lösung des Problems mithilfe von Techniken aus der Lebensmittelindustrie. Durch den Einsatz von Lehmbauplatten als innere Verschalung (anstelle von Lehmgrundputz) könnte der Feuchtigkeitseintrag verringert werden, auf den die Fliegen angewiesen sind.
  • Organisatorisch empfiehlt es sich, die Elemente über den Holzbaubetrieb zu beziehen, der auch für die Montage verantwortlich ist. Auch GU-Modelle sollten möglichst über den Ausführenden laufen, nicht über den Importeur.

Weiterführende Informationen gibt es unter:

Fachverband Strohballenbau Deutschland